Ich geh mal zum Friseur

Monika Orth (M. O.) vom Friseursalon Geoffrey hat Adhanom Abraham (A. A.), einen eritreischen Flüchtling, als Auszubildenden in ihren Betrieb geholt. Wie das zustande kam, welche Herausforderungen damit einhergehen und was sich beide für die Zukunft wünschen, haben sie uns von Wilhelmshöhe ist bunt (WiB) in gemütlicher Atmosphäre im Salon erzählt.

WiB: Wie kam es denn bei Euch zu dem Entschluss, einen Flüchtling als Auszubildenden einzustellen

M. O.: Der Betreuer von Adhanom kam aus dem Flüchtlingsheim in Elmhagen und hat gefragt, ob Adhanom bei uns ein Praktikum machen kann, und daraufhin haben wir ihn hier zwei Tage lang bei uns beschäftigt, er hat einen Deutschkurs gemacht und danach wäre er abgeschoben worden. Deshalb haben wir ihn als Auszubildenden eingestellt. Eigentlich wollten wir zu dem Zeitpunkt gar keinen neuen Azubi, aber Adhanoms Betreuer war einfach hartnäckig. Da konnten wir gar nicht mehr anders.

WiB: In diesem Zusammenhang gab es sicher ganz andere Hürden zu überwinden als bei Euren bisherigen Auszubildenden.

M. O.: Also, die größte Hürde ist nach wie vor die deutsche Sprache. Mit der Handwerkskammer hatten wir gar keine Probleme, auch mit der Innung nicht, aber es musste eben alles ganz schnell gehen, weil er von der Abschiebung bedroht war. Er ist auch nur für drei plus zwei Jahre hier geduldet. Wir hoffen, dass das funktioniert und er die Ausbildung fertig machen kann.

WiB: Hat die Verständigung von Anfang an ganz gut geklappt

M.O.: Na ja, die Sprache ist nach wie vor ein Problem.

WiB: Und wie läuft das mit den Kundinnen und Kunden?

A. A.: Ein bisschen klappt das schon, aber ich habe auch große Schwierigkeiten mit dieser Sprache.

WiB: Welche Vorkenntnisse hattest Du denn für diesen Beruf? Worauf konnte man denn da aufbauen

A.A.: Ich hatte diesen Berufswunsch schon in Eritrea und habe dort auch schon die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt. Das war zwar keine Ausbildung, aber ich habe schon ein bisschen in der Richtung ausprobiert.

WiB: Würdet Ihr als Arbeitgeber diesen Schritt immer wieder gehen

M.O.: Wenn es passen würde, würden wir es auch wieder machen. Ja.

WiB: Adhanom ist ja nun schon etwas älter als ein Azubi normalerweise ist. Spielt das eine Rolle?

M. O.: Nein, überhaupt nicht. Man sieht ihm ja auch so gar nicht an, dass er schon 28 ist. (lacht)

WiB: Helft Ihr denn auch bei anderen Dingen des Lebens?

M.O.: Ich habe ihm sehr viel geholfen. Ich habe ihm u.a. eine Wohnung besorgt. Der Adhanom ist von Elmshagen nach Ahnatal umgezogen, das haben wir tatkräftig unterstützt. Alles, was er gebraucht hat, haben wir auch von Kunden bekommen. Da haben wir eine große Hilfsbereitschaft erfahren. Auch von den Mitarbeitern. Und manchmal, wenn er es nicht alleine schafft, gehe ich auch noch mit zu Behörden.

Natürlich haben wir auch finanziell unterstützt. Wir haben anfangs Adhanoms Deutschkurs bezahlt und die Monatsfahrkarte von Elmshagen hierher. Nach einem dreiviertel Jahr hat das dann die Stadt Kassel übernommen.

WiB: Was wünscht Ihr Euch denn für die Zukunft

M. O.: Schön wäre es, wenn er die Ausbildung hier beenden darf, also die zwei Jahre noch hierbleiben darf und vielleicht, wenn er ein guter Friseur wird, hier in Deutschland bleiben kann. Da würden wir uns sehr freuen.

Monika Orth und Adhanom Abraham

Monika Orth und Adhanom Abraham

A. A.: Ja, ich möchte natürlich die Ausbildung fertig machen, und ich würde auch sehr gerne noch in Deutschland bleiben dürfen.

WiB: Diesen Wünschen können wir uns nur anschließen und drücken die Daumen für einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.

(Gespräch und Foto: Daphnis Elena Georghiou)

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So können Sie Flüchtlinge in Kassel unterstützen

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zukunftsbueroDas Zukunftsbüro der Stadt Kassel stellt auf seiner Internetpräsenz viele Informationen zur Flüchtlingshilfe in Kassel zur Verfügung. Neben Hintergrundinformationen zu Flucht und Asyl finden sich auf der Seite Hinweise zu Spendenmöglichkeiten, ehrenamtlichem Engagement, Patenschaften, Wohnraum, Arbeitsmarkt u.v.m.   Weiterlesen

Interkulturelle Woche noch bis 3. Oktober 2017

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Herzliche Einladung zur Interkulturellen Woche, die mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen noch bis zum 3.Oktober auch in Kassel begangen wird.

Die „Interkulturelle Woche“ ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird von den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten und Integrationsbeauftragten, Migrantenorganisationen und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. An der „Interkulturellen Woche“ beteiligen sich zahlreiche Gemeinden, Vereine, Vertreter von Kommunen und Einzelpersonen in mehr als 550 Städten, Landkreisen und Gemeinden mit rund 5.000 Veranstaltungen jährlich.

In Kassel Weiterlesen

Einladung: Workshop des Freiwilligenzentrums

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Liebe Freiwillige,

die Reflexion des eigenen Handelns ist in der ehrenamtlichen Tätigkeit besonders wichtig.
Warum engagiere ich mich? Was treibt mich an? Wie gestalte ich einen gelungen Abschied aus meiner Tätigkeit?

Zu diesen Fragen findet im Freiwilligenzentrum am 17. Oktober 2017 von 17-20 h eine neue kreative Fortbildung statt. Die Referenten Hendrik Licht und Johannes Kühn arbeiten mit verschiedenen Methoden und Materialien, die einen spannenden Workshop versprechen. Weiterlesen

Dringend gesucht: Freiwillige zur Unterstützung einer alleinerziehenden, schwer erkrankten syrischen Mutter

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Es wird dringend eine Freiwillige gesucht, die eine syrische Mutter dabei begleiten kann, Kontakt zum Mütternotdienst aufzunehmen, Anträge dafür zu stellen, den Kontakt zum Hausarzt einzubeziehen usw.

Hintergrund dieser Anfrage ist, dass eine alleinerziehende syrische Mutter mit einem Kind im Kindergartenalter an einem inoperablen Gehirntumor erkrankt ist.

Die Mutter ist mit dem Kind allein aus Syrien hierher geflüchtet, der Stopp des Familiennachzugs verhindert, daß der Ehemann mit den anderen zwei Kindern nachkommt. Die Mutter und das Kind leben allein in einer kleinen Wohnung, sie ist in Behandlung, hat häufig Schmerzen und immer mal wieder starke bis mittlere Beeinträchtigungen durch den Tumor. Die Belastungen der Mutter sind also zweifellos vielfältig. Es gibt niemanden, der das Kind betreuen kann/ auffangen kann, wenn die Mutter mal plötzlich ausfällt. Weiterlesen

Workshop „Medien, Medien für alle und Radio von und mit Geflüchteten“

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Wann? Samstag, 23. September 2017, 10-18Medienworkshop Uhr

 

Der folgende Informationstext ist in leichter Sprache geschrieben:

Medien sind sehr wichtig. Sie helfen, dass große oder kleine Gruppen von Menschen über verschiedene Informationen sprechen können. Medien sind zum Beispiel Zeitungen, Radio oder Fernsehen.

Viele Menschen sind neu nach Deutschland gekommen. Sie interessieren sich für vieles Neues. Zum Beispiel: Welche Medien gibt es hier? Und wie machen sie ihre Arbeit? Was dürfen Medien? Was dürfen sie nicht? Was sind „Bürgermedien“?

Wir wollen über Medien in Deutschland lernen. Einen Tag wollen wir darüber lernen. Das nennen wir „Workshop“. Zu uns kommt ein Journalist. Er schreibt zum Beispiel Texte für die Zeitung. Das ist sein Beruf. Er wird uns viel erklären und erzählen.

Es kommen auch zwei Personen, die selbst Radio machen. Es geht darum, wie wir selbst ein Radio-Programm machen können.

Alle sind eingeladen, dabei zu sein! Besonders Menschen, die neu in Deutschland sind. Es wird Übersetzung in verschiedene Sprachen geben.
Mittags werden wir gemeinsam essen.

Wenn du dabei sein möchtest, melde dich bis zum 19. September bei Bianca Arnold. Per Email, Whatsapp, SMS oder Anruf: 0176-43633634 oder arnold@diekopiloten.de.

Freunde einladen und teilen: https://www.facebook.com/events/895291497278290/

Der Workshop ist von dem Radioprojekt „We are here, we speak up!“. Er wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen).

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Morgen: Miteinander singen, gemeinsam trommeln, aufeinander hören – Flüchtlinge und Einheimische musizieren zusammen – Musikabend mit Dr. Merle Clasen, Olaf Pyras und Christine Weghoff in der Elisabethkirche

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„Miteinander singen, gemeinsam trommeln, aufeinander hören“ heißt es am Dienstag, 12. September, 19:00 Uhr in der Kasseler Elisabethkirche. Nach Kassel geflüchtete Menschen und hier Einheimische sind herzlich dazu eingeladen, ganz besonders auch diejenigen, die Kontakt zu Flüchtlingen haben, die sie betreuen oder begleiten oder Nachbarn geworden sind. „Gemeinsam musizieren lässt uns eine grundsätzliche Verbundenheit zwischen uns Menschen erfahren.“ sagt Dr. Merle Clasen, die gemeinsam mit dem Schlagzeuger Olaf Pyras und der Musikerin Christine Weghoff den Musikabend gestaltet. Weiterlesen

Heute und morgen: Antirassismusfest – Wir sind Kassel“ in der CROSS jugendkulturkirche

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Am 8. und 9. September 2017 findet auf dem Gelände und in den Räumlichkeiten der CROSS jugendkulturkirche am Lutherplatz das Antirassismusfest „Wir sind Kassel“ statt.antirassismusfest

In den vergangenen zwei Jahren hat ein breites Bündnis aus jugendpolitischen und weiteren Organisationen anlässlich der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ auch in Kassel mit Veranstaltungen, Seminaren, Filmvorführungen und Konzerten ein Zeichen für ein buntes, vielfältiges und antirassistisches Kassel gesetzt.

Im documenta 14-Jahr 2017 soll dieses Format fortgeführt und weiterentwickelt werden. „Wir haben auch dieses Jahr mit mehr als 20 Organisationen aus Gesellschaft, Vereinen, Politik, Kirchen und Gewerkschaften ein tolles und sehr kreatives Vorbereitungsteam“, so Torge Peterson, Diakon der CROSS jugendkulturkirche. Mit dem Fest „Wir sind Kassel“ soll der Focus auf die bestehende Vielfalt in Kassel und das Engagement der Zivilgesellschaft für die gesellschaftliche Teilhabe von Neuzugewanderten und Alteingesessenen gelegt werden. Zum anderen soll es auch um konkrete Forderungen, Wünsche und Anliegen der Stadtgesellschaft gehen, die diese mit der Stadt Kassel als „Ankommens-“ und „Bleibestadt“ verbinden.

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Portrait einer Flüchtlingsfamilie

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Seit drei Jahren leben Oltjana und Albert mit ihrer Tochter Bernarda schon in Deutschland, vor zwei Jahren wurde ihre jüngste Tochter Kaida geboren. DKaffetischie Familie verließ ihr Heimatland Albanien mit der Hoffnung auf faire Arbeitsbedingungen in Deutschland und vor allem gute Bildung für ihre Kinder.

„In Albanien kam mir ein Leben in Deutschland immer wie ein Traum vor“, erzählt Oltjana, „es schien irgendwie unerreichbar.“ Nun haben sie eine eigene Wohnung in einer Flüchtlingsunterkunft, und Bernarda geht seit zwei Jahren in Kassel zur Schule. Auf die Frage, was denn ihr Lieblingsfach sei, antwortet sie: „Es macht alles Spaß. Man kann viel spielen, ich würde am liebsten den ganzen Tag dableiben.“  Weiterlesen